COVID-19 ist in aller Munde, die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft noch immer nicht abzusehen. Doch schon jetzt ist allen klar das nach der Krise die Situation eine andere sein wird als davor.

Die aktuelle Situation zwingt Kunden zu digitalen Geschäftsmodellen und spült eine Vielzahl von Neukunden in die Online Welt. Wer seine Lebensmittel nicht mehr selber einkaufen will oder kann greift nun zunehmend zu Lieferdiensten, Produkte außerhalb des täglichen Bedarfs werden nun Online bestellt. Auch außerhalb vom E-Commerce ist ein Zuwachs zu verzeichnen, es wirkt als werden wir digitaler.

Google Trends Suchvolumen für "Lieferdienst"

Vermutlich wird dies nun gewisse Trends beschleunigen, durch den extra Druck, der auf die Leute aktuell wirkt, probieren doch einige mehr die digitale Welt aus. Dadurch werden eine Vielzahl von neuen Leuten in den Markt gespült die jetzt, sofern wir eine positive Erfahrung liefern, zu Stammkunden werden können.

Unsere Aufgabe und Probleme

Allerdings ist es auch eine enorme Herausforderung für uns, so kämpfen wir nicht erst seit Corona mit Problemen bei der Paketzustellung (Volumen, Zeit), mit Fake Produkten, unseriösen Anbietern und Co.

Eine skeptische Zielgruppe trifft nun also auf ein System im Wachstum mit all seinen Schwierigkeiten und Problemen. Daher liegt es nun in der Verantwortung der Onliner dafür zu sorgen, dass die Erfahrung möglichst positiv ist, um gewisse Bewegungen zu beschleunigen.

Es ist daher trotz all der Probleme die wir gerade haben notwendig die Qualität möglichst hochzuhalten! Nicht das, das schon immer gegeben war ...

Natürlich ist es aber auch so das COVID-19 nicht nur dem stationären Handel schadet, wir haben natürlich auch im E-Commerce mit gewissen Problemen zu kämpfen:

Versanddienstleister / Logistik

Internationale Paketsendungen leiden aktuell bereits unter den neuen Grenzkontrollen innerhalb der EU, obwohl eigentlich der Warentransport davon ausgenommen sein sollte. Die Bilder von langen Staus an Grenzen hat sicherlich jeder schon gesehen. Fraglich ist hier auch, ob daraus auch ein Trend zu mehr lokalen Logistikkapazitäten wird. Eine Vielzahl von Shops haben ihre Logistik in Länder wie Polen verlagert und bekommen nun zu spüren was dies bedeuten kann, wenn plötzlich an der Grenze es zu Verzögerungen kommt.

Zustellung in eine Reihe von Ländern ist bereits eingeschränkt durch Verordnungen der lokalen Behörden. Dazu gehören Regionen in Österreich, Bulgarien, Tschechien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Portugal und Italien (Stand 23.3.). Hier reichen die Regionen von einigen Postleitzahlen zu mehreren Seiten (Italien). Eine Ausweitung der Regionen ist nur eine Frage der Zeit.

Indirekt kann es durch die Umstellung bei der Zustellung auch zu mehr Problemen im Bereich von Betrug kommen. Da zunehmend auf die Unterschrift bei der Übergabe verzichtet wird und damit ein Instrument zum Nachweis, das die Ware erhalten wurde, entfällt.

Anzahl der Zustellorte ist natürlich aktuell auch beschränkt da viele der Paketshops geschlossen haben, dagegen steht aber natürlich die höhere Erreichbarkeit der Kunden in der Wohnung.

Bei einem Engpass in der Logistik werden sicherlich ähnliche Maßnahmen getroffen wie wir sie schon bei der Ladenschließung erlebt haben. Dabei werden Pakete mit lebensnotwendigen Inhalten anderen vorgezogen werden.

Infektionen in der eigenen Logistik können zu Schließungen oder deutlicher Reduzierung von Personal führen und damit gegebene Lieferversprechen brechen. Für einige Firmen kann das katastrophale Auswirkungen haben, mehrere Wochen ohne Versand und Einnahmen aber dafür Kosten für Mitarbeiter und Co.

Personalbeschaffung für die Logistik ist sicherlich auch aktuell eher problematisch trotz verfügbaren Studenten und Geschäften die schließen mussten. Gilt aber natürlich auch für Mitarbeiter außerhalb der Logistik. Zusätzlich entsteht natürlich nun auch Druck auf die Firmen die Mitarbeiter umfangreich zu schützen, wir erinnern uns alle an die Zeit in China als nach Chinese New Year eine Vielzahl von Mitarbeitern den Weg zur Arbeit nicht mehr angetreten hat aus Angst.

Abhängig von Branche und Produkt gibt es auch bei der Beschaffung erhebliche Probleme, teilweise sind Fabriken nicht wieder auf 100% hochgefahren worden oder gar geschlossen. Dadurch kann es zu Engpässen in gewissen Bereichen kommen die sich dann auf Preis und Liefergeschwindigkeit auswirken werden. Einige Lieferketten brauchen auch länger um wieder anzulaufen oder sind sehr sensibel bei Ausfällen (Just In Time).

Konsum

Eine Vielzahl von Online Händlern profitiert aktuell von den Ladenschließungen da Produkte nun in größerer Menge Online abgerufen werden. Allerdings gibt es in meinen Augen dazu eine Zeitleiste, die man nicht ignorieren sollte:

Nach der aktuellen Hochphase in der Kunden ihren Bedarf Online decken, werden zunehmend die Stimmen Lauter die erkennen das vermutlich nicht alle Firmen die Isolation schadlos überstehen. Kurzarbeitergeld und Rezession spielen dabei in den Gedanken aktuell eine größere Rolle:

Kurzarbeit (Rot) und Rezession (Blau), Interesse der letzten 90 Tage

Als Vergleich dazu das Thema Rezession seit 2004:

Rezession, Google Trends seit 2004

Als Konsequenz werden wir vermutlich einen Rückgang im Konsumverhalten feststellen. Unsicherheiten beflügeln die Wirtschaft im Allgemeinen nicht, wer sich nicht darüber im Klaren ist wie die Miete in den nächsten Monaten gezahlt werden soll, wird nicht über den Kauf von TV und Co nachdenken.

Falschinformationen und daraus entstehende Ängste können weitere unvorhersehbare Konsequenzen mit sich bringen. Dabei kursieren schon jetzt eine Vielzahl von fragwürdigen Informationen im Netz. Auch wenn für viele offensichtliche Falschmeldungen zu erkennen sein werden haben wir bereits Leute, die Gold gegen COVID-19 verkaufen, das Gurgeln mit Desinfektionsmittel empfehlen und ähnliches. Da ist es nicht verwunderlich das einige Seiten bereits Hinweise liefern das Pakete und Produkte aus China nicht Corona übertragen können.

Allgemein ist es noch vollkommen offen wie sich die Situation ausspielen wird, einige Indikatoren sind allerdings bereits vorhanden und sollten nicht ignoriert werden.

Möglichkeiten

In der aktuellen Situation scheinen eine Vielzahl von Online Playern die Initiative zu ergreifen und aus einer Position der Stärke den Konsum anzukurbeln. So erreichten mich insbesondere in der letzten Woche (16.3. - 22.3.) eine Vielzahl von Rabattaktionen, teilweise auch einfach auf das gesamte Sortiment.

Die Idee dahinter ist offenbar das aktuelle Risiko zu minimieren, die wenigsten Online-Shops können auf verteilte Läger zurückgreifen. In dem Moment wo die eigene Logistik geschlossen wird, ist der Online-Shop nicht mehr Betriebsfähig. Kaum ein Kunde wird sein Geld überweisen und darauf warten bis die Logistik wieder in die Firma kommt und ausliefert.

Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Risiken bezüglich Warenbestand, Saisonale Waren könnten durchaus für Probleme sorgen, sollte es zu einer längeren Liefersperre kommen. Auch ist Liquidität ein relevantes Thema, wer trotz Ausfall von Einnahmen Mitarbeiter weiter beschäftigen muss und insbesondere auch später Waren wieder einkaufen muss ist darauf angewiesen.

Allgemein wäre es glaube ich nun Clever die verhältnismäßig gute Situation jetzt für Verkäufe zu nutzen, um dem Risiko einer ungewissen Zukunft zu entgehen. Die Nachteile die durch Rabattaktionen und Co aktuell ausgehen stehen in keinem Verhältnis zu dem möglichen Risiko nächste Woche nicht mehr verkaufen zu können und einem Neustart in einer Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit.

Sollte wieder erwartend nichts passieren und es allen möglich sein bis zum Ende der aktuellen Krise zu verkaufen hätte man bei dieser Variante immer noch die Möglichkeit Waren nachzukaufen, wer jetzt allerdings auf künstliche Verknappung setzt und hofft, dass der Warenbestand an Wert gewinnt, könnte eine böse Überraschung erleben. Denn viele der Gründe warum Waren teurer werden oder nicht mehr geliefert werden können sollte auch unmittelbar einen Einfluss auf die eigene Versand- und Verkaufsfähigkeit haben.

Einen Trend, insbesondere im Bereich der Mode sieht man bereits:

Aber natürlich auch in anderen Bereichen die nun mit gratis Lieferungen werben oder eigene Aktionen fahren.

Notebooksbilliger.de Happy Easter Sale

Die ersten Zahlen deuten bereits jetzt schon auf einen Rückgang des Konsums hin. So werden vermutlich im Bereich der Lebensmittelversorgung und dem des täglichen Bedarfs die Nachfrage auch Online mehr oder weniger stabil bleiben. Doch gerade Luxusgüter und Bereich der Elektronik wird sicherlich, nachdem sich nun die Leute auf mehr Zeit in den eigenen vier Wänden eingestellt haben nicht kontinuierlich steigern lassen.

Schwierige Zeiten kommen auf uns alle zu, dabei ist nicht die Zeit für Panik und Kurzschlussreaktionen, aber sehr wohl sollte jetzt aktiv gehandelt werden. Firmen die sich vom Strom treiben lassen könnten nicht mehr in der Lage sein die richtige Abbiegung zu nehmen und geraten in Schieflage.

Wer es jetzt schafft positive Effekte für sich zu nutzen und diese Klug einzufangen kann nach dieser Krise gestärkt hervorgehen, dafür braucht es aber Mut und Entschlossenheit. Online Handel schützt Firmen nicht davor Fehler zu machen, Wettbewerb schläft nicht und die Zeit bei der alleine der Trend Offline zu Online für Wachstum gesorgt hat könnte deutlich schneller vorbei sein als man noch vor einem Jahr erwarten konnte.