Kaum ein System wird so durch die Medien getrieben wie Spryker. Gestartet als einer der Erfolgsfaktoren für die E-Commerce Modelle von Rocket Internet suchte sich das damals noch unter dem Namen Alice & Bob (Bigfoots-Order-Backend) genannte Framework seinen Weg zu Project A. Dort wurde es unter der Leitung von Fabian Wesner weiterentwickelt bis es schlussendlich als eigenes Portfolio Unternehmen unter dem Namen Spryker einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Damals wie Heute waren Flexibilität für neue Geschäftsmodelle, eine Skalierbarkeit für neue Märkte und Traffic und eine schnelle Time-To-Market Strategie entscheidend für den Erfolg.

Vom Online Shop zum Spryker Commerce OS

Die Diskussion über das richtige System für den eigenen Online Shop läuft immer noch und die Hoffnung auf eine Universelle Antwort rückt scheinbar immer weiter in die Ferne. Zu groß sind die Unterschiede zwischen Firmen und Geschäftsmodellen als das dies in einer immer komplexer werdenden Welt nochmal pauschal zu beantworten wäre.

In diesem Gefüge nimmt Spryker den Platz zwischen Eigenentwicklung und Out Of The Box Lösungen wie Shopware und Magento ein. Flexibel genug um auch komplett neue Transaktionsbasierende Modelle umzusetzen, aber umfangreich genug um praktisch als "normaler" Online Shop genutzt zu werden.

Dabei wird, zumindest im Marketing, darauf geachtet gerade die Beispiele wie Spryker sich in der Industrie nutzen lässt oder im Zusammenhang mit dem Evergreen IoT. Egal ob Autos mit integrierten Shop Funktionen oder automatisches nachbestellen von Ware, Spryker als Unterstützung und Lösung für die Digitalisierung.

Diese Flexibilität kommt zu einem Preis: Entwicklung statt Konfigurierung! Wer nach umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten sucht wird bei Spryker eher nicht fündig. So gibt es zwar durchaus Möglichkeiten zur Konfiguration, ein Level wie Magento und Shopware erreicht Spryker dabei aber wissentlich nicht. Dies ermöglicht zwar einen größeren Freiheitsgrad, macht es aber gerade für neue schwierig mit dem System zu starten.

Dabei hilft zwar Spryker mit Schulungen und internen Leuten / Enabling Services, diese sind aber in der Breite noch nicht auf dem Level. Agenturen sind zumindest im Verhältniss zu stärker etablierten Systemen noch unterbesetzt was das Thema angeht.

Wie wir zu Spryker gekommen sind

Auch wir haben uns in der Caseking Gruppe für Spryker entschieden, nach reiflicher Überlegung und unseren Erfahrungen mit Online Shops aus der Kategorie Eigenentwicklung und Magento / Shopware mussten wir leider feststellen das für unsere Anforderungen etwas anderes notwendig war.

Die Caseking Gruppe besteht mittlerweile aus einer Vielzahl von Firmen mit eigener Logistik und Systemlandschaft, getrieben durch den Roll-Up Prozess mit Investoren bekommen wir in unregelmäßigen Abständen neue Firmen mit wieder neuen Online Shops und ERP Systemen dazu.

Daher war es für uns auch nicht zielführend mit einem ERP Projekt zu starten, die Komplexität ein ERP zu wechseln im Vergleich mit einem Online Shop ist nochmal etwas ganz anderes. Lokale Gegebenheiten in der Logistik, Buchhaltung und Finanzen aber auch die teilweise über Jahre gelernten Prozesse bei jedem Zukauf zu wechseln stellt eine enorme Herausforderung da. Darüber hinaus ist es fraglich welchen Mehrwert ein einheitliches ERP System bringt im Vergleich zu Online Shops.

Auf dieser Grundlage haben wir uns dazu entschlossen mit Spryker einen Layer einzuführen der auf der bestehenden Infrastruktur sitzt und an den sich die bestehenden Systeme anbinden können. So können Bestellungen weiter im aktuellem ERP abgearbeitet werden und aktuelle Prozesse beibehalten werden. Außerdem soll durch dieses Vorgehen die Einbindung von weiteren Zukäufen signifikant gesteigert werden.

Wie man nun sieht war für uns beispielsweise das Thema Backend ein viel prominenteres als es das bei vielen Anderen ist. Natürlich sehen wir auch die Vorteile im Frontend und bei der Erstellung von neuen Möglichkeiten der Kundeninteraktion. Doch für uns ist dies ein Schritt zwei. Ähnliches gilt sicherlich auch für andere Nutzer, egal ob Verbindungen von Offline und Online oder neue Geräte. Das Interesse an Digitalisierung als Schlüssel für zukünftigen Erfolg ist groß!

Unsere Erfahrungen nach über einem Jahr

Grundsätzlich sind wir sicherlich innerhalb des Teams zufrieden mit der Entscheidung für Spryker. Auch dank der Tatsache das wir jemanden hatten der sich schon vor uns mit Spryker beschäftigt hat sind wir ohne große Probleme vom Start losgekommen und laufen nicht in die üblichen Probleme bei der Entwicklung von neuen Lösungen ohne vorher mit dem Tool gearbeitet zu haben.

Was aber auch dazu gehört sind die Personalwechsel auf der Seite von Spryker, so beobachten wir sehr genau wie sich die Qualtität der Entwicklung verhält nachdem Fabian Wesner das Unternehmen verlassen hat. So denken wir zwar aktuell das dies ziemlich Reibungslos bis hierhin geklappt hat, von außen betrachtet, doch bei einem Projekt dieser Wichtigkeit für uns gucken wir natürlich genauer hin.

Auch andere Stellen im Unternehmen mussten neu besetzt werden, zu den einzelnen Beweggründen kann ich wenig sagen. Allerdings höre ich immer wieder das dass Thema VC nicht nur Vorteile für die Mitarbeiter und das Unternehmen bringt.

Darüber hinaus ist sicherlich einer der Schwachstellen aktuell noch der Bereich von Partnerschaften. So mussten wir selber feststellen das man sich nicht darauf verlassen kann das Systemrelevante Updates für Partnerintegrationen gemacht werden. Außerdem gibt es zwischen den Händlern und damit den Nutzern von Spryker wenig austausch. Entsprechend kann leider die Modularität der Software nicht in vollem Umfang genutzt werden. So wäre es sicherlich begrüßenswert wenn Funktionalitäten im Kollektiv entwickelt werden könnten anstatt jeder für sich.

Sicherlich insgesamt ein Umstand der sich mit der Zeit legen wird wenn der Erfolg bestehen bleibt. Schließlich merken so auch Partner wie wichtig die Software für ihre Kunden ist und haben damit ein Eigeninteresse eine Lösung bereit zu stellen die funktioniert.

Ausblick

Insgesamt bewegt sich glaube ich vieles in die richtige Richtung, viele Punkte auf der Roadmap zeigen das man sich treu bleibt. Mit der Finanzierung von Project A im Rücken sollte es auch langfristig keine Probleme geben.

Für die Zukunft werden sicherlich Frontend Themen nochmal relevanter werden da dies dafür sorgen kann das ein breiteres Publikum Interesse an Spryker bekommt.